Frankfurt – das Weltdorf

“Frankfurt verlangt keine hysterischen Bekenntnisse wie zum Beispiel Berlin, keine gesellschaftliche Choreographie wie Hamburg, nicht die anstrengende Leichtigkeit des Seins wie München oder Köln. Es ist eine Ansammlung von Dörfern, die Stadt spielen, mit Begabung und Erfolg, manchmal mit unfreiwilliger Komik.”
Eva Demski, “Frankfurt ist anders”

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Ich bin gebürtiger Bremer, mit 7 Jahren umgezogen nach Delmenhorst, einer 77.000 Einwohner Stadt zwischen Bremen und Oldenburg. Meine ganze Sozialisation spielt sich hauptsächlich in den 1970-80er Jahren in Delmenhorst, Bremen und Lilienthal ab, wo meine Großeltern wohnten, die wir regelmäßig an den Wochenenden besuchten: das Leben eines typisch westdeutschen Kindes aus der Mittelschicht.

Um so erstaunlicher finde ich es noch heute, dass ich 1996, als man mir in der Personalabteilung der Dresdner Bank Niederlassung Bremen nach meiner Banklehre einen Job im IT Bereich in Frankfurt anbot, diesen ohne wirklich viel Grübelei annahm. Aber so ganz einfach, wie man es annehmen könnte, waren die Jahre danach nicht. Vielleicht lag es an den doch recht häufigen Rückfahrten in die alte Heimat, vielleicht lag es daran, dass meine damalige Freundin auch aus Delmenhorst kam (auch wenn sie mitgezogen war) – aus dem Kopf bekam ich eine Rückkehr in den Norden nicht.

DZ BANK

“Sie werden in die Stadt gespült, der Job, die Bank, die Messe oder was auch immer halten sie für eine Weile fest, sie richten sich ein, behalten dabei Heidelberg oder Hongkong fest im Blick. Irgendwann begreifen sie, daß Frankfurt eine proteische Stadt ist, eine Verwandlungskünstlerin, sowohl Hongkong als auch Heidelberg, mit ein bißchen Phantasie. Also bleiben sie da und kurz darauf sind sie Lokalpatrioten, ohne zu wissen, wie ihnen geschah.”
Eva Demski, “Frankfurt ist anders”

Nach einem Ende der Beziehung und der schmerzvollen Erfahrung des Alleinseins für einige Zeit verstärkte sich Anfang der 2000er Jahre der Wunsch nach Rückkehr in die Heimat, nach Familie sogar so stark, dass ich meinen Beruf einfach von heute auf morgen kündigte, um mir etwas in Hamburg (wo meine Schwester mit ihrem Mann damals wohnte) oder Bremen zu suchen. Doch das Schicksal hatte andere Pläne und sandte mir innerhalb eines kurzen Zeitraums einen Headhunter mit 2 interessanten Jobangeboten in Frankfurt und eine hübsche Stewardeß für das traurige Herz vorbei. Frankfurt hatte es geschafft, ich blieb. Zumindest vorerst. Das Leben fühlte sich wieder besser an. Dennoch blieb immer noch ein gewisser Abstand zur Stadt an sich, es gab immer noch eine Lücke.

Römer in Frankfurt

“Es sind nicht die äußeren Umstände, die das Leben verändern, sondern die inneren Veränderungen, die sich im Leben äußern.”
Wilma Thomalla (Deutsche Publizistin)

Diese füllte sich eigentlich erst 2 Jahre später dank meiner Frau. Die Geschichte unseres Kennenlernens über Jahre und Kontinente hinweg wäre irgendwann mal einen eigenen Beitrag wert (jemand forderte sogar mal mindestens ein Buch, wenn nicht gar eine Verfilmung) und soll jetzt hier nicht erzählt werden. Nur soviel: wir kannten uns im Prinzip schon seit 4 Jahren, jedenfalls auf eine besondere Art und Weise, hatten uns aber nie persönlich getroffen. Das änderte sich Anfang 2002, Ende 2002 zog sie nach Frankfurt, wir heirateten und dank ihrer Offenheit und Interesses an der Stadt öffnete ich mich auch endlich für die Möglichkeiten, die sich hier einem bieten. Daran kann man sehen, wie man sich selber das Leben schwer machen kann. Man muss die Augen öffnen und die Schere aus dem Kopf ziehen, dann läuft alles viel einfacher.

Lupine

Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Viele Deutsche, auch jüngere Menschen, kleben an “ihrer Scholle”, wollen keine Veränderung, sperren sich in einem Gedankenkäfig ein. In den Jahren, in denen ich hier nun arbeite, habe ich mich viel mit anderen Kollegen unterhalten und festgestellt, dass zahlreiche Menschen entweder selbst unbeweglich sind (und abends oder am Wochenende wieder in die alte Heimat fahren) oder einen Partner haben, der keine Veränderung aus seiner gewohnten Umgebung heraus haben möchte. Vielleicht ist es auch das, was viele Deutsche an Frankfurt nicht mögen: die Stadt steht in vielen Köpfen nicht für Status quo, nicht für Übersichtlichkeit und Beständigkeit. Dabei gibt es das natürlich und wer offen ist, findet jede Menge Lokalkolorit, der sich allerdings mit einem Internationalismus vermischt, der den meisten anderen Städten fehlt. Anders ausgedrückt: Frankfurt hat 40 Museen. Davon spielen einige national oder auch international eine nicht ganz unbedeutende Rolle. Andere hingegen sind hauptsächlich für Frankfurt relevant. Es ist also für jeden was da, der will. Aber das wollen, das kann die Stadt niemanden abnehmen.

Kuh vor dem Händlersaal der Commerzbank

Ich denke, Frankfurt kann tatsächlich als Weltdorf bezeichnet werden. Der Stadtkern besteht als Einheit, immerhin ist die Stadt schon 1200 Jahre alt. Aber es gibt um den Kern herum ehemalige Städtchen und Dörfer, die z.T. eingemeindet wurden, aber ihren kleinstädtischen oder dörflichen Charakter beibehalten haben. Das stellt man sich zwar bei einer Stadt mit 700.000 Einwohnern aus 170 verschiedenen Nationen so nicht vor (zu denen sich noch mehr als 250.000 tägliche Pendler gesellen); schon gar nicht, wenn die Stadt einen der größten Flughäfen der Welt hat, der Frankfurter Hauptbahnhof als wichtigste Verkehrsscheibe im deutschen Zugverkehr gilt, das Frankfurter Kreuz der meistbefahrene Straßenknotenpunkt Deutschlands ist und mit dem DE-CIX der größte Internet-Knoten der Welt in Frankfurt steht. Außerdem hat Frankfurt im internationalen Weltstadt-Ranking als einzige deutsche Stadt die Einstufung “Alpha” (zum Vergleich: Städte wie Paris, Tokyo oder Peking haben “Alpha+”, nur New York und London haben “Alpha++”; Berlin hat ein “Beta+”). Dennoch kann man die Frankfurter Innenstadt zu Fuß durchqueren, hat mit dem Frankfurter Grüngürtel (der etwa 1/3 des Stadtgebiets einnimmt) eine großes Landschaftsschutzgebiet vor Ort, den Taunus zum Wandern in der Nähe und wer gerne gute Weine mag, der hat es nicht weit nach Rheinhessen oder den Rheingau. Und wer wirklich mal raus muss: 5x täglich kann man direkt von Frankfurt aus in 3,5 Stunden mit dem Zug nach Paris fahren, sich in den Flieger nach London, New York oder Tokyo setzen – oder einfach in eine Gaststätte setzen und einen Schoppen heben.

Kurzum: ich mag Frankfurt, hier ist meine eigene Familie (Frau und Kinder), hier sind Freunde & Bekannte, hier bin ich. Mag der Rest der Verwandschaft auch in Deutschland verstreut sein, ich freue mich immer, wenn ich nach einem Besuch wieder das Stadtschild von Frankfurt sehe: endlich wieder “zu Hause”.

Rauch über dem Wasser

Nach der Grillsaison ist vor der Grillsaison
Altehrwürdige Weisheit

Viele kennen das Lied “Smoke on the Water” – wer weiß aber schon, dass sich der Songtitel auf den Brand des Casinos von Montreux 1971 bezieht, bei dem der Rauch des brennenden Gebäudes über dem Genfersee zog? Bei uns lag gestern auch “Smoke on the Water”, wenn auch aus einem anderen Grund.

Aber der Reihe nach. Seit einigen Jahren wird in Deutschland das Grillen durch das amerikanische Barbeque ergänzt. Ach, so denken vielleicht einige, wieder so ein neumodischer Krams aus Amerika. Nö, muss man dazu sagen, das gibt es dort schon länger und es ergänzt wunderbar den Prozess des Grillens. Der Unterschied liegt darin, dass beim Grillen das Gargut relativ schnell durch größere Hitze gegart und geröstet wird; beim Barbeque hingegen nutzt man die heiße Abluft eines Feuers, wodurch das Gargut langsamer und ohne Rösten gegart wird. Dabei spielt ein Wort eine wichtige Rolle: “langsam”. Es handelt sich also um einen Prozess, der langsam vorangeht. Somit ist es auch klar, warum einige Menschen damit nicht klar kommen: man muss sich dafür Zeit nehmen. Es passt also überhaupt nicht zu den Menschen, für die Nahrungsaufnahme lediglich ein Mittel zur Erhaltung der Körperfunktionen ist (wobei ich diesen Menschen eigentlich nur zu Soylent raten kann) – aber es ist in meinen Augen ein guter Beitrag zur Lebenskunst. Sich Zeit nehmen, dem eigenen Leben, dem der Gäste, aber auch dem Essen und Trinken selber Respekt entgegenbringen, das gehört für mich dazu.

Jedenfalls beschäftige ich mich nun schon länger mit Barbeque und dabei gibt es eine ganze Menge interessanter Quellen. Ein Video (Link zu Youtube) hat unser kleines Monster besonders fasziniert und er wollte unbedingt auch mal ein ganzes Schwein auf dem Grill haben. Eine Idee war, dies zu seinem Geburtstag zu machen. Da wir seinen Geburtstag aber dieses Jahr im Tollhaus gefeiert haben, habe ich mir meinen Geburtstag dazu ausgesucht.

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Vor einiger Zeit fand ein ProQ Excel Water Smoker mit zusätzlicher Grillebene seinen Weg zu uns, in dem im Sommer auch schon diverse Fische geräuchert worden sind. Nun sollte es also ein ganzes Schwein werden. Aufgrund der Höhe war klar, dass es kein ausgewachsenes Schwein werden kann, sondern nur ein kleines Tier. Ich bestellte also ein 7kg Spanferkel beim Metzger des Vertrauens in der Frankfurter Kleinmarkthalle.

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Am Vortag der Feier holte ich das fachgerecht vorbereitete Ferkel ab, später wurde das Fleisch mit einer Apfelsaft/Apfelessig/Gewürzmischung geimpft und das Grillgerät vorbereitet.

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Am nächsten Morgen war es dann soweit: der Kohlering mit Apfelholzstücken wurde gezündet, die Wasserschale aufgefüllt und das Schwein in den ProQ gehängt.

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Und da war es… der Rauch zog über das Wasser… und das Schwein hing im Rauch… und der Grillmann stellte fest, dass es gut war.

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Das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen, wenngleich die Menge an Fleisch nicht besonders groß war. Da hätte ich mir dann doch mehr gewünscht, aber bei einem 7kg Spanferkel kann man wahrscheinlich noch nicht viel erwarten. Geschmeckt hat es jedenfalls und die Gäste waren zufrieden. Und es haben sich bei der Aktion drei Dinge gezeigt:

1. Ein Water Smoker ist sehr gut geeignet für einzelne Grillstücke und für Fische (eine 50cm Lachsforelle z.B. war in dem Teil gar kein Problem). Bei größeren und schwereren Tieren wird das schon ein Akt, weil man es von oben in den Smoker einhängen muss. Besonders wenn man das Ende November fröstelnderweise um 6 Uhr morgens alleine macht :-) Da empfiehlt sich dann doch ein klassischer Wagon Smoker, wo man das ganze Tier reinlegen kann. Eigentlich wollte ich aus Platzgründen keinen kaufen… eigentlich…
2. Knusprige Haut bekommt man beim Räuchern nicht hin, sie wird eher lederartig. Das zeigen auch Kommentare in einschlägigen Grillforen. Man muss sich scheinbar entscheiden, entweder räuchert man und verzichtet auf die Haut oder man grillt das ganze, dann hat man zwar kein Räucheraroma im Fleisch, hat dafür aber eine knusprige Haut.
3. Unsere Kinder waren nur mäßig interessiert am toten Spanferkel, zeigten zum Glück auch keine Berührungsängste und fingen nicht an mit “iiih” oder ähnlichem Großstädtergeheul. Ich habe es ihnen mit Absicht vor dem Grillen gezeigt, denn eins der schlimmen Effekte unseres modernen Lebens ist das völlige Ausblenden der Herkunft von Dingen. Fleisch kommt nun mal nicht aus dem Supermarkt, sondern hat eine tödliche Vorgeschichte. Und das können Kinder durchaus wissen.

Wir danken jedenfalls dem Schwein, dass es so gut schmeckte (und dies meine ich nicht als Scherz).

Der Nexus vom Riedberg

Kennen Sie den Film “Star Trek – Treffen der Generationen”? In dem Film gibt es ein Energieband, was durch das Weltall “schwebt”, teilweise auch über Planeten hinwegfegt und Menschen “mitnimmt”, die ihm zu nah kommen. Im Film wird dieses Energieband “Der Nexus” genannt.

Neulich (was eigentlich nicht stimmt, habe gerade mal nachgeguckt, das war im August 2014, Kinders wie die Zeit vergeht), da bin ich früh aufgewacht. Und als ich aus dem Fenster Richtung Osten guckte, da dachte ich: ha, da kommt doch der Nexus aus Star Trek.

Der Nexus vom Riedberg

Was natürlich Blödsinn ist, weil die Wolken am Himmel nicht ganz so toll gestrahlt haben wie im Film und sich auch nicht so schnell bewegt haben. Schön sah es aber auf alle Fälle aus. Also gleich mal zur Kamera gegriffen. Wobei der Zauber des Moments damit nicht wirklich eingefangen werden konnte. Nun ja.

Jedenfalls veränderte sich der Himmel am Morgen schon noch ein wenig ins Dramatische:

Himmel über Riedberg

Der Sonnenuntergang konnte dies natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Ende September 2014 musste der auch Drama-Queen spielen:

Sonnenuntergang über Frankfurt-Riedberg

Und: nein, dahinten liegt nicht das Land Mordor, sondern der Taunus.

Mehr Sushi! (Goethe in Japan)

酒は百薬の長 – Sake ist unter hundert Arzneien die beste
(Japanisches Sprichwort)

Ein seltener Gast nahm gestern den weiten Weg nach Frankfurt und dies sind die Momente, wo man sich Gedanken darüber macht, wie man dem Reisenden eine schöne Zeit bereiten kann. Frankfurt bietet da eine Reihe von Möglichkeiten – nein, ich rede nicht von XXX oder ähnlichen Einrichtigungen, wie sie wahrscheinlich zu Messe-Zeiten Hochkonjunktur haben. Sondern von gutem Essen bei einem netten Gespräch, vielleicht noch einer passenden Begleitung im Glas und anschließend müssen wir mal gucken, man muss ja schließlich am nächsten Tag arbeiten und daher – aber ein Cocktail geht und am Ende waren es dann vier.

Wie wäre mit dem Manitou, Deutschlands einzigem indianischen Restaurant? Laut Webseite ziehen die um. Die Äthiopische (Eritreische) Küche ist gut in Frankfurt vertreten, aber irgendwie sprang mein Kompass mal wieder nach Asien, Japan sollte es sein. Nun kann man nicht sagen, dass es hier wenige japanische Restaurants gibt, aber nicht alle sind gleich gut und wie das nun mal so ist, man greift in solchen Situationen zu dem, was man kennt und was sich bewährt hat. In die nähere Auswahl kamen daher das Fujiwara in Frankfurt-Sachsenhausen oder doch lieber Teppanyaki im Kabuki?

Vorspeise
Die Entscheidung fiel dann zugunsten des Fujiwara. So starteten wir mit einer Miso Suppe, Hakkaisan Sake und eingelegtem Gemüse.

Tori no Karaage
Dazu Tori no Karaage: Hühnerfleisch im Teigmantel frittiert.

Iberiko Tareyaki
Iberisches Schwein in Tare-Soße gebraten. Dazu ein Glas eines besonderen Sake, der nicht auf der Karte stand.

Futomaki
Futomaki…

Sashimi Moriawase
Und dann kam der Hauptgang: Sashimi Moriawase. Zwischendurch war der Sake schon wieder alle. Also noch ein wenig Ichinokura Sake.

Sushi
Und Sushi! (leider zu spät fotografiert, da war schon was im Mund verschwunden, und außerdem aus einem blöden Winkel: in Natura sah es viel besser aus).

Nach diesem guten Mahl ging es dann noch ins Chicago Meatpackers auf ein paar letzte Cocktails. Ein netter Abend. So soll es sein.