Rauch über dem Wasser

Nach der Grillsaison ist vor der Grillsaison
Altehrwürdige Weisheit

Viele kennen das Lied “Smoke on the Water” – wer weiß aber schon, dass sich der Songtitel auf den Brand des Casinos von Montreux 1971 bezieht, bei dem der Rauch des brennenden Gebäudes über dem Genfersee zog? Bei uns lag gestern auch “Smoke on the Water”, wenn auch aus einem anderen Grund.

Aber der Reihe nach. Seit einigen Jahren wird in Deutschland das Grillen durch das amerikanische Barbeque ergänzt. Ach, so denken vielleicht einige, wieder so ein neumodischer Krams aus Amerika. Nö, muss man dazu sagen, das gibt es dort schon länger und es ergänzt wunderbar den Prozess des Grillens. Der Unterschied liegt darin, dass beim Grillen das Gargut relativ schnell durch größere Hitze gegart und geröstet wird; beim Barbeque hingegen nutzt man die heiße Abluft eines Feuers, wodurch das Gargut langsamer und ohne Rösten gegart wird. Dabei spielt ein Wort eine wichtige Rolle: “langsam”. Es handelt sich also um einen Prozess, der langsam vorangeht. Somit ist es auch klar, warum einige Menschen damit nicht klar kommen: man muss sich dafür Zeit nehmen. Es passt also überhaupt nicht zu den Menschen, für die Nahrungsaufnahme lediglich ein Mittel zur Erhaltung der Körperfunktionen ist (wobei ich diesen Menschen eigentlich nur zu Soylent raten kann) – aber es ist in meinen Augen ein guter Beitrag zur Lebenskunst. Sich Zeit nehmen, dem eigenen Leben, dem der Gäste, aber auch dem Essen und Trinken selber Respekt entgegenbringen, das gehört für mich dazu.

Jedenfalls beschäftige ich mich nun schon länger mit Barbeque und dabei gibt es eine ganze Menge interessanter Quellen. Ein Video (Link zu Youtube) hat unser kleines Monster besonders fasziniert und er wollte unbedingt auch mal ein ganzes Schwein auf dem Grill haben. Eine Idee war, dies zu seinem Geburtstag zu machen. Da wir seinen Geburtstag aber dieses Jahr im Tollhaus gefeiert haben, habe ich mir meinen Geburtstag dazu ausgesucht.

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Vor einiger Zeit fand ein ProQ Excel Water Smoker mit zusätzlicher Grillebene seinen Weg zu uns, in dem im Sommer auch schon diverse Fische geräuchert worden sind. Nun sollte es also ein ganzes Schwein werden. Aufgrund der Höhe war klar, dass es kein ausgewachsenes Schwein werden kann, sondern nur ein kleines Tier. Ich bestellte also ein 7kg Spanferkel beim Metzger des Vertrauens in der Frankfurter Kleinmarkthalle.

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Am Vortag der Feier holte ich das fachgerecht vorbereitete Ferkel ab, später wurde das Fleisch mit einer Apfelsaft/Apfelessig/Gewürzmischung geimpft und das Grillgerät vorbereitet.

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Am nächsten Morgen war es dann soweit: der Kohlering mit Apfelholzstücken wurde gezündet, die Wasserschale aufgefüllt und das Schwein in den ProQ gehängt.

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Und da war es… der Rauch zog über das Wasser… und das Schwein hing im Rauch… und der Grillmann stellte fest, dass es gut war.

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Das Ergebnis konnte sich durchaus sehen lassen, wenngleich die Menge an Fleisch nicht besonders groß war. Da hätte ich mir dann doch mehr gewünscht, aber bei einem 7kg Spanferkel kann man wahrscheinlich noch nicht viel erwarten. Geschmeckt hat es jedenfalls und die Gäste waren zufrieden. Und es haben sich bei der Aktion drei Dinge gezeigt:

1. Ein Water Smoker ist sehr gut geeignet für einzelne Grillstücke und für Fische (eine 50cm Lachsforelle z.B. war in dem Teil gar kein Problem). Bei größeren und schwereren Tieren wird das schon ein Akt, weil man es von oben in den Smoker einhängen muss. Besonders wenn man das Ende November fröstelnderweise um 6 Uhr morgens alleine macht :-) Da empfiehlt sich dann doch ein klassischer Wagon Smoker, wo man das ganze Tier reinlegen kann. Eigentlich wollte ich aus Platzgründen keinen kaufen… eigentlich…
2. Knusprige Haut bekommt man beim Räuchern nicht hin, sie wird eher lederartig. Das zeigen auch Kommentare in einschlägigen Grillforen. Man muss sich scheinbar entscheiden, entweder räuchert man und verzichtet auf die Haut oder man grillt das ganze, dann hat man zwar kein Räucheraroma im Fleisch, hat dafür aber eine knusprige Haut.
3. Unsere Kinder waren nur mäßig interessiert am toten Spanferkel, zeigten zum Glück auch keine Berührungsängste und fingen nicht an mit “iiih” oder ähnlichem Großstädtergeheul. Ich habe es ihnen mit Absicht vor dem Grillen gezeigt, denn eins der schlimmen Effekte unseres modernen Lebens ist das völlige Ausblenden der Herkunft von Dingen. Fleisch kommt nun mal nicht aus dem Supermarkt, sondern hat eine tödliche Vorgeschichte. Und das können Kinder durchaus wissen.

Wir danken jedenfalls dem Schwein, dass es so gut schmeckte (und dies meine ich nicht als Scherz).

Der Nexus vom Riedberg

Kennen Sie den Film “Star Trek – Treffen der Generationen”? In dem Film gibt es ein Energieband, was durch das Weltall “schwebt”, teilweise auch über Planeten hinwegfegt und Menschen “mitnimmt”, die ihm zu nah kommen. Im Film wird dieses Energieband “Der Nexus” genannt.

Neulich (was eigentlich nicht stimmt, habe gerade mal nachgeguckt, das war im August 2014, Kinders wie die Zeit vergeht), da bin ich früh aufgewacht. Und als ich aus dem Fenster Richtung Osten guckte, da dachte ich: ha, da kommt doch der Nexus aus Star Trek.

Der Nexus vom Riedberg

Was natürlich Blödsinn ist, weil die Wolken am Himmel nicht ganz so toll gestrahlt haben wie im Film und sich auch nicht so schnell bewegt haben. Schön sah es aber auf alle Fälle aus. Also gleich mal zur Kamera gegriffen. Wobei der Zauber des Moments damit nicht wirklich eingefangen werden konnte. Nun ja.

Jedenfalls veränderte sich der Himmel am Morgen schon noch ein wenig ins Dramatische:

Himmel über Riedberg

Der Sonnenuntergang konnte dies natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Ende September 2014 musste der auch Drama-Queen spielen:

Sonnenuntergang über Frankfurt-Riedberg

Und: nein, dahinten liegt nicht das Land Mordor, sondern der Taunus.

Mehr Sushi! (Goethe in Japan)

酒は百薬の長 – Sake ist unter hundert Arzneien die beste
(Japanisches Sprichwort)

Ein seltener Gast nahm gestern den weiten Weg nach Frankfurt und dies sind die Momente, wo man sich Gedanken darüber macht, wie man dem Reisenden eine schöne Zeit bereiten kann. Frankfurt bietet da eine Reihe von Möglichkeiten – nein, ich rede nicht von XXX oder ähnlichen Einrichtigungen, wie sie wahrscheinlich zu Messe-Zeiten Hochkonjunktur haben. Sondern von gutem Essen bei einem netten Gespräch, vielleicht noch einer passenden Begleitung im Glas und anschließend müssen wir mal gucken, man muss ja schließlich am nächsten Tag arbeiten und daher – aber ein Cocktail geht und am Ende waren es dann vier.

Wie wäre mit dem Manitou, Deutschlands einzigem indianischen Restaurant? Laut Webseite ziehen die um. Die Äthiopische (Eritreische) Küche ist gut in Frankfurt vertreten, aber irgendwie sprang mein Kompass mal wieder nach Asien, Japan sollte es sein. Nun kann man nicht sagen, dass es hier wenige japanische Restaurants gibt, aber nicht alle sind gleich gut und wie das nun mal so ist, man greift in solchen Situationen zu dem, was man kennt und was sich bewährt hat. In die nähere Auswahl kamen daher das Fujiwara in Frankfurt-Sachsenhausen oder doch lieber Teppanyaki im Kabuki?

Vorspeise
Die Entscheidung fiel dann zugunsten des Fujiwara. So starteten wir mit einer Miso Suppe, Hakkaisan Sake und eingelegtem Gemüse.

Tori no Karaage
Dazu Tori no Karaage: Hühnerfleisch im Teigmantel frittiert.

Iberiko Tareyaki
Iberisches Schwein in Tare-Soße gebraten. Dazu ein Glas eines besonderen Sake, der nicht auf der Karte stand.

Futomaki
Futomaki…

Sashimi Moriawase
Und dann kam der Hauptgang: Sashimi Moriawase. Zwischendurch war der Sake schon wieder alle. Also noch ein wenig Ichinokura Sake.

Sushi
Und Sushi! (leider zu spät fotografiert, da war schon was im Mund verschwunden, und außerdem aus einem blöden Winkel: in Natura sah es viel besser aus).

Nach diesem guten Mahl ging es dann noch ins Chicago Meatpackers auf ein paar letzte Cocktails. Ein netter Abend. So soll es sein.

Halloween und die Traditionspolizei

Am 31.10. war mal wieder Halloween. Da wir hier in Frankfurt in einem jungen, kinderreichen Stadtteil leben, sah man überall kleine Hexen und Geister herumziehen. Meine Frau hatte mit unseren Kindern schon vor einigen Tagen eine Kürbis-Lampe gebaut und morgens am Halloween-Tag den Eingang und Postkasten mit Spinnenweben und Kerzen dekoriert. Sich selber hatte sie wie eine Hexe angezogen und bekam sogar von einem der klingelnden Kinder ein “sieht echt toll aus”, was sie sehr freute. Im Vergleich zu den USA, wo ich 1998 an Halloween durch Florida fuhr, war das hier aber alles noch recht harmlos. Dachte ich jedenfalls, denn wie ich den Leserkommentaren eines Halloween-Artikels in der FAZ entnehmen konnte, bewegten wir uns an dem Tag mal wieder auf den Untergang des Abendlandes zu. Und zwar nicht, weil manche hier gerne die Scharia einführen würden, sondern weil an diesem Tag “alle deutschen Traditionen verloren gehen”, “die Spaßgeneration auf die Geldmacherei und Konsumwerbung reinfällt” und wir überhaupt bald der “51. Staat der USA” sein und demnächst auch den 4. Juli (Amerikanische Unabhängigkeit) feiern werden. Besonders schön fand ich die Kommentare, dass “man Halloween nicht feiert” – das hätte nichts mit christlich jüdischer Religion zu tun, auch nicht mit islamischer. Und ein anderer war stolz darauf, dass sein Dobermann frechen Kindern Angst macht, er selber würde sich aber auf Allerheiligen und Allerseelen freuen.

Durch die Aussagen zeigen sich für mich eine ganze Reihe von Dingen:
1. In Deutschland müssen sämtliche Feste und Feiern religiös motiviert sein. Einfach nur so Spaß an etwas haben geht nicht. Haben Schützenfeste eigentlich auch einen “christlich jüdischen” Hintergrund? Bestimmt.
2. Menschen, die Toten und heiligen Toten gedenken, scheinen die Lebenden eher nicht zu mögen.
3. Viele selbsternannte Traditionswächter wissen selber über ihre eigenen Traditionen wenig Bescheid und bauen sich ihre Weltbilder, wie sie sie gerade brauchen. Wie wären sonst die Weihnachtsbäume zu erklären, die definitiv nicht christlichen Ursprungs sind? Und die Abneigung gegen Halloween, was nach den einen Forschermeinungen seinen Ursprung im Christentum hat, nach anderen Forschermeinungen bei den Kelten. Und die Kelten und ihre Traditionen waren vor lange vor dem Christum in den heutigen süd- und mitteldeutschen Landen verbreitet, stellen somit eigentlich die Urtradition dar und nicht der christliche Export, den uns missionierende Mönche hier aufgehalst haben.

Für mich zeigte sich an diesen Kommentaren mal wieder das Bild des (christlich geprägten) Deutschen, der zum Lachen in den Keller geht. Der die “dämonischen Darstellungen” an Halloween verdammt, bei den wilden tanzenden Gestalten und seltsamen Holzgesichtern der alemannischen Fastnacht aber von Tradition schwärmt. Der zwar vom Christentum redet und auch irgendwie kapiert hat, dass es eine Wüstenreligion ist, aber noch nie darüber nachgedacht hat, warum alle Darstellungen von Jesus einen westeuropäischen Mann zeigen, wo dieser doch in einem palästinensischen Gebiet geboren wurde und bestimmt entsprechend aussah. Der von den Kelten mal in Asterix gelesen hat, diese aber nie in Deutschland vermuten würde. Der stolz sein Smartphone von Apple präsentiert und seine Kommentare auf einem Windows-PC schreibt, aber Halloween als amerikanischen Export verdammt. Und der mir irgendwie auf die Nerven geht, weil sich bei ihm Unwissenheit mit Überzeugung zu einer unguten Mischung vereinen.