Hitze und warum Sahneeistorte dagegen hilft

Wenn ich so auf die Auflistung meiner letzten Beiträge gucke, dann trübt sich mein Blick: 1 Beitrag im Juni, 1 im Juli. Und jetzt haben wir schon Ende August und dies ist der erste in diesem Monat. Der Niedergang des Blogs? Das eher nicht. Es gäbe genug, was niedergeschrieben verdienen würde. Zum Beispiel, dass es derzeit in Frankfurt extrem heiß ist. Ein prima Gegenmittel findet sich in der geeisten Sahnetorte meiner besseren Hälfte.

Wer jetzt neidisch guckt – Pech gehabt. Die Kalorien sind für uns bestimmt. Das Ding ist voll Sahne und Zucker und wird tatsächlich eingefroren. Es ähnelt in der Konsistenz der Bremer Schneemustorte (wer die nicht kennt: köstlich! Gibt es z.B. in der Raths-Konditiorei in Bremen), schmeckt aber natürlich anders.

Am besten läßt man so eine Eistorte leicht antauen, dann zergeht das Teil auf der Zunge. Und das beste – es kühlt natürlich. So läßt die Hitze prima ertragen. Eine andere Methode: Grillen und dazu kalte Getränke, am besten mit Freunden.

Rainy days in London

Hier nicht angekündigt, aber trotzdem gemacht – wir waren für ein paar Tage in London. Es war eine Reise, die schon länger geplant war und sie war sehr schön – auf der einen Seite. Auf der anderen Seite: wir waren mit unseren beiden Monstern dort und dann ist so eine Städtereise längt nicht so entspannend und interessant, wie man hofft. Immer mault eines der Kinder herum, es gibt Streitereien und und und. Viele Eltern dürften wissen, wovon ich spreche. Dazu kommt, dass London recht überlaufen ist mit Menschen und die U-Bahn platzmäßig nicht gerade großzügig angelegt wurde, von dem Treppauf – Treppab – Spielchen an manchen Stellen mal ganz abgesehen (was die Fortbewegung mit einem Buggy recht spaßig macht). Aber das war alles lösbar. Leider war das Wetter nicht gerade supertoll, immer wieder Regen zwischendurch. Aber besser, als wenn wir brütende Hitze gehabt hätten, dann wäre es wahrscheinlich auch nicht zum aushalten gewesen.

Jedenfalls sind wir gestern Abend wieder nach Frankfurt zurückgekehrt. In den nächsten Tagen stelle ich hier einige Bilder von unserer Reise ein, im Moment müssen erstmal die Koffer ausgeräumt werden.

Und die Jahre ziehen ins Land…

Ja, da gab es doch mal ein Lied von den Toten Hosen, das hatte allerdings mit Alkohol zu tun. Der war aber nicht der Grund für meine längere Pause bei den Artikeln hier. Es gab einfach so viel zu tun, dass ich irgendwie nicht zum Schreiben gekommen bin. Neben der Arbeit gibt es ja noch die Familie, die auch was von mir sehen möchte. Dann schießt das Unkraut im Garten nur so in die Höhe und muss daher beseitigt werden. Und dann habe ich abends viel in meinem Studio im Keller getan, da noch zahlreiche Verkabelungen ausstehen. Das alles kostet dann doch jede Menge Zeit und die Prioritäten waren dann irgendwie klar :-)

Also, ich bin wieder da! Und als kleinen Aufhänger gleich eine frohe Botschaft für alle Fans des japanischen Musikers Kitaro: ich habe bei eBay die seltene LP “Live in Budokan” für weniger als Euro 16,- (inkl. Versand) ergattern können. Das freut mich doch, Bilder von der Innenseite werden demnächst in meine Kitaro-Page einfließen.

Und die Wochen vergehen…

… und wieder ist eine Woche vergangen, seit ich meinen letzten Beitrag hier eingestellt habe. Die nächste Frage lautet folglich: wo bleibt ein neuer Beitrag? Also ein richtiger? Nicht dieses gedankenlose Geschwafel? Um ehrlich zu sein: ich weiß es auch nicht. Nicht, dass ich keine Themen hätte. Nach unseren Intermezzo am Gardasee waren wir noch in Bozen, ganz zu Beginn unserer Reise übrigens in Lugano, was ich noch gar nicht erwähnt hatte. Außerdem steht noch mindestens ein Kakao-Beitrag aus. Keine Sorge, es werden noch mehr kommen, aber dieser Beitrag ist längst fällig.

Zusätzlich kommt noch etwas dazu, zwei weitere Serien mit Themenschwerpunkten. Bei der einen geht es wieder um Getränke, wenn auch alkoholischer Natur. Es wird aber keine Weinkolumne und auch nichts mit Whisk(e)y. Also nicht das übliche, was man aktuell gerne mit “Gutem Leben” und “Stil” und so weiter verbindet.
Beim anderen geht es um Musik. Klassik? Jazz? Rock oder Pop? Nö. Eventuell auch mal. Aber mein Schwerpunkt liegt woanders.

Ich bin also nicht faul. Zumindest nicht im Geiste und bei dem, was ich vorhabe. Aktuell laboriere ich ein wenig an einer üblen Erkältung herum, ein Souvenir aus Italien. Damit wäre zumindest der Schuldige für meine aktuelle Schreibschwäche gefunden. Und überhaupt.

So fehlt eigentlich nur die Frage: wenn es hier um Lebenskunst geht, warum gibt es dann so wenig über Essen? Einfache Antwort: weil ich dazu im Moment einfach nicht die Zeit habe. Vielleicht, wenn diverse Dinge im Hintergrund erledigt sind, dann kommt das noch.
Und Literatur? Was ist damit? Antwort: das gleiche wie beim Essen. Übrigens, falls es jemanden interessiert: ich lese derzeit “Nimm das Ding da weg!” von Kyril Bonfiglioli. Ein Kriminalroman. Allerdings einer komplett ohne moralischen Überbau. Also genau das, was mir gefällt. Kann ich empfehlen.

Bis zum nächsten richtigen Artikel: nutzt die Zeit und räumt mal wieder ein wenig bei Euch auf – auch das schafft Lebensqualität!

Balkon in Lugano / Schweiz

Verona – wo die Sonne wieder scheint

Gardasee bei trüben Wetter

…so kann es einem gehen: man ist am Gardasee, der Himmel ist grau und der See selber eine trübe Suppe. Man überlegt also: was machen wir?

Tiramisu-Torte und heiße Schokolade

Man könnte sich in ein Cafe setzen, eine heiße Schokolade und einen Espresso mit Schuß zu sich nehmen und dabei etwas Tiramisu-Torte die Kehle hinuntergleiten lassen. So richtig befriedigt einen das aber nicht. Sirmione ist klein, die Torte bald alle und dann steht man wieder draußen umgeben von hergekarrten Schülern, die sich die Burg angucken sollen.

Leben am Fluss

Also setzt man sich ins Auto und fährt nach Verona. Die Stadt ist größer und schöner, das Wetter besser. Zwar wird man auch hier von Schulklassen umgerannt. Aber man kann ihnen eher aus dem Weg gehen.

Schöne Gassen in Verona

Man geht durch die Gassen mit den schönen Fassaden, blickt auf den Marmor, betrachtet die Auslagen in den Geschäften…

Die Arena von Verona

… staunt über die Kultur…

Straßenkunst einmal anders

… und das ein oder andere veronesische Kleinod…

Eis in Verona

… kauft sich ein leckeres Eis…

Brunnen auf dem Piazza delle Erbe

… und setzt sich auf eine Bank auf dem Piazza delle Erbe. Wenn man dann noch die eine oder andere nette Kaufgelegenheit hat wahrnehmen können, vergißt man das schlechte Wetter, das anderswo herrscht.

Leben am Fluss

So eine Hütte am Fluss – wer wollte da schon wieder weg?

Wenn die Sonne scheint am Gardasee…

…ja, wenn die Sonne scheint, dann sind sie alle da und stürmen Sirmione:

Die Latschenträger sind da!
Diejenigen, die Luft und Sonne an ihren Füssen brauchen!

Die Funktionsjackenträger sind da!
Diejenigen, die für alle Lebenslagen ausgerüstet sind – egal, ob sie in die Stadt gehen oder auf den Berg.

Und die Eiligen sind auch immer vor Ort!
Manche haben es dringend eilig, könnten etwas verpassen.

Babour und Cord
Zum Glück gibt es einige, die lassen sich nicht aus der Ruhe bringen.

Palmsonntag am Comer See

Für mich stellte sich eigentlich nicht die Frage, ob ich Dinge aus meinen Urlauben in diesem Blog verarbeiten soll. Ich war mir nur nicht sicher über den Zeitpunkt. Soll ich es direkt auf dem Urlaub heraus machen? Dank Digitalkamera, Notebook und WLAN in den Hotels technisch kein Problem. Aber ist es nicht besser, das erst im Nachgang zu machen? Wenn man wieder sicher in die heimische Hütte zurückgekehrt ist, die Selbstschussanlagen deaktiviert und die Fallgruben ordentlich verriegelt wurden?

Klüger wäre das, sagt der dauerbesorgte Herr Kaiser aus der Werbung. Das Böse lauert immer und überall. Auf der anderen Seite leben manche Momente auch von ihrer Spontanität und können nicht erst im Nachgang berichtet werden. Dann sind sie nämlich langweilig.

So ist es auch im Leben und in der Kunst, eben dieses Leben zu meistern. Wer immer nur auf der sicheren Seite stehen will, keine Risiken eingehen möchte und für alles eine Versicherung braucht, der dürfte nur mit der Verwaltung eben dieser Lebensspanne beschäftigt sein.

Was also tun? Wie man es angehen kann sahen wir letzten Sonntag am Comer See:

Palmsonntag in Italien
Man kann in der Kirche geistigen Beistand suchen.

Rennradfahrer am Comer See
Man kann den Kampf gegen den Berg aufnehmen.

Bellagio / Comer See
Oder man fährt nach Bellagio, freut sich über den gefundenen Parkplatz, über einen freien Tisch im Sonnenschein und nimmt ein Mittagessen zu sich.

Es soll auch Menschen geben, die machen alles drei zusammen. Aber ehrlich: man soll es auch nicht übertreiben.

Kakao – ein Selbstversuch (Teil 3) – French Vanilla

“Wann kommt endlich Swiss Miss Kakao in Deiner Serie?” Ja ja, ist ja schon gut. Hätte nicht gedacht, dass Kakaotrinker so drängeln können. Dabei ist es doch gerade das Schöne am Kakao, dass er aufgrund seines Aromas, seiner Milde und seiner Konsistenz eher zum Innehalten anregt als Kaffee, der bei vielen ja zum Aufputschmittel verkommen ist (“ich brauch mein Kaffö, sonst bin ich kein Mensch”) und eigentlich nicht wirklich genossen wird. Oder noch besser: Leute, die ihren Kaffee aus einem Pappbecher mit so einem winzigen Schlitz im Deckel trinken. Da ist der Schritt zum Wein aus Tetrapacks nicht mehr weit.

Nun denn, in diesem Beitrag geht es um Kakaos mit der Geschmacksvariante “French Vanilla” im Allgemeinen und um “Swiss Miss” im Speziellen. Kakaos mit Geschmack? In der Tat, es gibt zahlreiche Kakaos, die nicht nur nach Kakao schmecken, sondern mit Geschmacksnoten versehen sind. Der typische “Kakao aus dem Supermarkt” Trinker kennt das vielleicht nicht, denn da werden in der Regel ja nur 2-3 Sorten angeboten und die schmecken eben nur nach Kakao. “Mit Geschmack” kennen höchstens die Supermarkt-Eltern, die ihren Kindern “Kaba” kaufen. Das wird – neben Kakao – in den Geschmacksrichtungen “Vanille”, “Erdbeer”, “Himbeer” und “Banane” angeboten – ist dann nur leider gar kein Kakao, sondern einfach nur ein süßes Pulver mit Geschmack. Von dem es sogar mal eine Geschmacksversion “Waldmeister” gab, an die sich wahrscheinlich niemand mehr erinnert. Oder erinnern möchte.

Nichtsdestotrotz findet man zahlreiche Kakaos, die mit unterschiedlichen Zusatzgeschmäckern angeboten werden. Das geht los bei “Dunklem Kakao” über Nougat, Chili bis hin zur Zimt- und Mohnbeimischung. Allerdings weniger in Supermärkten, sondern in gut sortierten Schokoladengeschäften oder Online-Shops. Da ich mich in meiner Kakao-Serie aber immer noch auf dem Supermarkt-Niveau bewege, muss der geneigte Leser noch ein wenig warten, bis wir zu den “netten Sachen” kommen. Bis dahin vertreiben wir uns die Zeit mit “Swiss Miss”. Kennen Sie nicht? Kein Wunder, man findet es auch nicht so häufig in deutschen Supermärkten. Wenn, dann bei denen mit einer “American Corner”, wo man Produkte aus den USA findet. Und genau da findet man denn auch “Swiss Miss”, ein Produkt des Konzerns “ConAgra Foods”, der zahlreiche Lebensmittel-Produktserien in den USA vertreibt, die aber hier in Deutschland mehr oder weniger unbekannt sind.

Aus der Serie “Swiss Miss” gibt es verschiedene Arten und wohl sogar Pudding, den ich bislang aber noch nicht kennengelernt habe. Beim Kakao kann man grob “Milchschokolade”, “Dunkle Schokolade”, “French Vanilla” und “Marshmellows” unterscheiden. Daneben gibt es dann noch ungesüßte Varianten und mit Kalzium versetzte. Wer es braucht…
Ich konzentriere mich hier auf die Geschmacksvariante “French Vanilla”, weil ich den Geschmack von Vanille liebe. Zu “Marshmellows” sei nur angemerkt: wer neben seinem Kakao auch noch kleine weiche Dinger im Mund haben möchte, bitte sehr. Ich brauche das nicht unbedingt.

Damit der Test aber nicht ganz so einseitig wird, kam noch ein Konkurrenzprodukt dazu, was man ebenfalls nicht regulär in deutschen Supermärkten findet. Es handelt sich dabei um den Tütenkakao “Bellagio French Vanilla” der US-amerikanischen Firma “Caffe D’Amore”. Diesen findet man in der Regel nur in speziellen Einzelhandelsgeschäften. In Frankfurt kann man ihn in der Fressgass kaufen, bei Interesse einfach Email an mich.

Bellagio French Vanilla

Was ist eigentlich “French Vanilla”? Zur Vanille nur ein paar Kurzinfos: es gibt mehr als 100 Vanillearten, von der aber nur 15 Arten Kapseln mit Aroma ausbilden. Die wichtigsten drei sind Gewürzvanille (auch Bourbon-Vanille oder mexikanische Vanille genannt), Tahiti-Vanille und Guadeloupe-Vanille. Im Bereich der Lebensmittel spielt dabei die Gewürzvanille die mit Abstand größte Rolle.
“French Vanilla” ist somit keine Vanille-Sorte. Es ist die Bezeichnung für eine spezielle Art der Vanille-Zubereitung. Der Unterschied zur normalen Vanille-Zubereitung (z.B. im Bereich der Süßspeisen und Eis) ist, dass bei der “French Vanilla” noch Eigelb bzw. “Englische Creme” (Eigelb-Zucker-Milch) dazugeben wird. Deshalb schmeckt “French Vanilla” auch reichhalter und voller, obwohl beides auf der gleichen Vanilleart basiert.

Kommen wir nun zum Test. Teststellung 1 behandelt nur das Produkt “Swiss Miss French Vanilla”. Auf der Verpackung steht nämlich, dass man das Pulver mit 6 oz. Wasser oder Milch zubereiten soll. Heißt für den Selbstversuch: 2 Tassen holen und 2 Kakaobeutel aufreißen. 6 oz. sind umgerechnet ca. 177 ml Flüssigkeit, also nehmen wir den Meßbecher zur Hand und füllen eine Tasse mit 180 ml heißem Wasser und die andere mit 180 ml heißer Milch.

Auf dem ersten Blick ist kaum ein Unterschied auszumachen. Bei beiden Varianten bildet sich eine ordentliche Schaumoberfläche im gleichen Farbton. Geschmacklich merkt man dann aber schon einen Unterschied: das Pulver hat eine recht helle Farbe, es ist also ordentlich Milchpulver (und wahrscheinlich Zucker) enthalten. Dadurch schmeckt die Variante mit Wasser süß, aber noch nicht zu süß. Bei der Milch hingegen ist das ganze dann schon grenzwertig süß, eigentlich schon zuviel des Guten. Den Unterschied sieht man auch, wenn man die Schaumkrone wegtrinkt: die Variante mit Wasser (in der rechten Tasse) ist deutlich dunkler. Daher meine Empfehlung: mit Wasser anrühren. Was mir beim Produkt “Schocofix” zu bitter wurde, ist hier genau meine Variante der Wahl.

Um den Geschmack zu beurteilen greife ich dann zur Teststellung 2: hierbei treten “Swiss Miss French Vanilla” und “Bellagio French Vanille” gegeneinander an. Beides US-Produkte, beide rühre ich mit 6 oz. heißem Wasser an. Beim Farbton des Pulvers kann man bereits einen Unterschied sehen und das wirkt sich dann auch auf den Kakao aus: “Bellagio French Vanilla” (links in der gelben Tasse) ist dunkler und nicht ganz so süß, für Kaffeetrinker aber wahrscheinlich immer noch eine Zuckerbombe. Was den eigentlichen Geschmack angeht, so unterscheiden sich beide Kakaos schon voneinander. Man merkt aber beiden Kakaos an, dass sie Industrieprodukte sind und letzlich ihren Geschmack aus künstlichen Aromastoffen beziehen. Entsprechend lesen sich auch die Inhaltsstoffe auf den Verpackungen. Einen Geschmack, der in Richtung Vanille geht, findet man bei beiden. Das drumherum ist aber unterschiedlich.

Bellagio French Vanilla gegen Swiss Miss French Vanilla

Das Interessante: als ich beide Kakaos abwechselnd getestet habe, schienen sich die Aromen gegenseitig zu beeinflussen, denn so richtig mochte ich beim Test keinen von den beiden Kakaos, obwohl ich sie ja vorab schon kannte und da als “gar nicht so schlecht” beurteilt habe. Vielleicht ist es die konzentrierte Süße beider Sorten zusammen getestet, die ein “zuviel” produziert hat. Unabhängig von diesem Test muss ich sagen, dass ich beide Kakaosorten eher in das Fach “Ab und zu” packen würde. Es trifft sich daher schon gut, dass beide Produkte in Deutschland in Einzelbeuteln verkauft werden und man nicht eine große Verpackung aufmachen muss. Täglich einen “French Vanilla” – das wäre wie täglich einen Wein aus dem Tetrapack ;-)

Es gibt sie noch…

… die guten Handwerker. Ich war vor einiger Zeit auf der Suche nach einem guten Schuhmacher in Frankfurt und bekam einen Tip, der glücklicherweise recht nah an meiner Arbeitsstelle liegt. Natürlich habe ich ihn ausprobiert und war mit dem Ergebnis zufrieden – nicht nur die Arbeit war gut, auch die Freundlichkeit des Personals macht Spaß. Wenn man den Eindruck hat, jemand hat Freude an seiner Arbeit und ist nicht nur da, weil er das Geld braucht – dann kommt man auch gerne wieder.

Besonders nett ist es, wenn eine kleine Arbeit an den Schuhen noch kurz vor dem Wochenende in Anwesenheit des Kunden erledigt wird – und nicht mal in Rechnung gestellt wird. Das hebt die Freude beim Kunden und der Schuhmacher kann davon ausgehen, dass der Kunde wiederkommt. Man nennt das Service – etwas, was man sonst in Deutschland nicht mehr so häufig findet.

Immer wenn er Hot Pot aß…

Kochkunst = Eine ebenso angenehme wie heimtückische Methode, Muskelfleisch in Bauchspeck zu verwandeln.
Helmar Nahr

Viele Deutsche gehen gerne in China-Restaurants zum Essen. Das traurige daran ist allerdings, dass die meisten ihrer Art mehr oder weniger die gleichen Speisen anbieten. Diese unterscheiden sich zwar – je nach Herkunft des Kochs – leicht voneinander. Und ab und zu findet man auch einzelne Speisen, die nicht so verbreitet sind und die dann als “Spezialität des Hauses” angeboten werden. Aber prinzipiell gibt es doch überall eine sehr ähnliches Speisekarte. Was daran traurig ist? Die Volksrepublik China ist flächenmäßig der 4. größte Staat der Erde, ist knapp vor Indien das bevölkerungsreichste Land und kann auf eine 3.500 Jahre alte Kulturgeschichte zurückblicken. Da kann man sich vorstellen, dass die Speisekarte deutlich länger sein müßte als das, was in unseren Restaurants angeboten wird. Dazu kommen noch diverse anderen Abwandlungen, die den meisten Restaurant-Besuchern gar nicht so auffallen dürften:
a) viele Speisen sind von ihrer Zubereitung her dem europäischen Geschmack angepasst. Zu wird beispielsweise in der Provinz Sichuan sehr gerne scharf gegessen, was vielen Europäern wahrscheinlich viel zu scharf wäre,
b) das gleiche gilt für die Verwendung von bestimmten Gewürzen, Gemüse und Tieren, die man hier nie auf Speisekarten bzw. in Verwendung finden wird. Sei es, weil der Import viel zu teuer wäre, sei es, weil es einfach nicht den Geschmack der Menschen hier treffen würde. Teilweise werden dafür hier andere Dinge in die Gerichte eingebaut, wie z.B. die fast überall präsente Paprika oder Mini-Maiskolben,
c) in China und Taiwan enthalten zahlreiche Gerichte mehr Knochen und Gräten, während bei uns nur noch Filets genutzt werden,
d) und letztlich noch eine Einschränkung, für die aber die China-Restaurants nichts können: aufgrund der Größe des Landes gibt es auch in China keine durchgängig einheitliche Küche und somit auch nicht unbedingt eine Einheitlichkeit bei Gerichten. So kann beispielsweise der Klassiker “Schweinefleich Süß-Sauer” in jeder Region ein wenig anders schmecken, in manchen Gebieten kennt man es gar nicht. Bereits in Deutschland kennen wir solche Unterschiede und sind vielleicht sogar ein wenig genervt, wenn ein angeblich typisch deutsches Restaurant im Ausland (sollten wir es mal besuchen) lediglich süddeutsche Gerichte führt. Wie soll ein China-Restaurant da eine repräsentative Vielfalt bieten?

Ein wenig gemischtes Essen vom Buffet

Zum Glück für uns, die gerne essen, gibt es aber immer wieder Restaurants, die mehr bieten als die Standardauswahl. In letzter Zeit haben sich neben dem sog. “Mongolischen Grill” (man stellt sich das rohe Essen von einem Buffet auf einem Teller zusammen, übergießt es mit einer Sosse nach Wahl und gibt es einem Mitarbeiter, der es dann für einen auf einem sehr großen Grill brät) auch das eine oder andere Restaurant am “Hot Pot” (chin. 火鍋) versucht. In Frankfurt gibt es ein paar, die das anbieten. Früher gab es zwei Favoriten auf unserer Liste, die wir abwechselnd aufsuchten. Leider hat sich das eine Restaurant durch diverse Änderungen selber von unserer Liste gestrichen.

Was aber ist “Hot Pot”? Hot Pot, auch als “Feuertopf” oder “chinesisches Fondue” bezeichnet, ist letztlich nichts anderes als ein großer, heißer Topf, der auf den Tisch gestellt wird. Dieser ist mit Brühe gefüllt, in die die Gäste dünn geschnittes Fleisch, Pilze, diverse Gemüse, Meeresfrüchte, etc. in rohem Zustand hineintun und warten, bis es gekocht ist. Anschließend holt man es wieder raus und dippt es in eine selber zusammengestellte Sosse. Der Topf wird parallel zum Essen aber immer wieder neu gefüllt, so dass er im Prinzip nie leer ist.

Gefrorenes Fleisch und Sosse

Es gibt verschiedene Arten des Hot Pots, was von der Art der Brühe und der Zutaten abhängig ist. Wir essen am liebsten die Variante “Yuanyangguo”. Dabei ist der Topf in der Mitte durch ein Mittelstück in zwei gleiche Hälften unterteilt. In die eine Seite wird eine rote, scharfe Brühe gefüllt, in die andere Seite eine helle, nicht scharfe Brühe. Beide Seiten werden gefüllt und jeder nimmt sich von den Hälften, wie es einem schmeckt. Diese Variante ist besonders gut, wenn Personen mit unterschiedlichen Geschmäckern an einem Tisch sitzen.

Hot Pot - gerade gefüllt und noch nicht am kochen

Der Hot Pot ist auch in anderen asiatischen Kulturen bekannt. Die dem Namen nach wohl bekannteste Varianten dürfte aus Japan kommen: “Shabu-Shabu”, was sehr ähnlich wie die chinesische Version ist und wohl über die japanischen Besatzungstruppen in der Mandschurei nach Japan gelangte. Die andere japanische Variante, die vom Namen nach bekannt sein könnte, ist “Sukiyaki”. Hierbei besteht die Brühe aus Sojasosse, Zucker und japanischen Reiswein und die Zutaten werden vor dem Brühen in gequirltes Ei getunkt.

Wer also nicht immer nur “Ente nach Hong-Kong-Art” oder “Rindfleisch Kungpao” zu sich nehmen möchte, dem sei der Hot Pot empfohlen. Speziell mit Freunden macht es Spaß, um den Topf zu sitzen. Zwei kleine Einschränkungen gibt es allerdings: bei den meisten Restaurants, zumindest die hier in Frankfurt, stellt man sich die Dinge, die im Topf versenkt werden sollen, selber auf Tellern an einem Buffet zusammen. Gerade wenn viele Esser versammelt sind, ist fast immer eine Person vom Tisch unterwegs und holt Nachschub. Das kann eine gewisse Unruhe ins Essen bringen, man kann es aber auch als Auflockerung ansehen.
Zweite Sache: da direkt am Tisch gekocht wird, sollte man nicht unbedingt seinen besten Zwirn anlegen, die Dämpfe des Essens ziehen in die Kleidung. Das kennt man vielleicht vom japanischen “Teppan Yaki”, wo man auch direkt am Herd sitzt und anschließend riecht, als hätte man selber gekocht – was beim Hot Pot ja sogar irgendwie stimmt.

Ich wünsche einen guten Appetit!